Auf ZEIT Online erschien heute morgen ein Artikel über Google Street View von Gero von Randow. Von Randow schreibt dort, dass Google Street View ja überhaupt nicht so schlimm sei, wie viele behaupten. Im Gegenteil hätte es sogar Vorteile für die Bürger, da sie zum Beispiel nicht mehr einem Reisekatalog vertrauen müssten, wenn sie in Urlaub fahren möchten, sondern sich nun einfach ein eigenes Bild von einem Hotel machen können. Prinzipiell ist es ja kein verwerfliches Ziel, eine Prüfinstanz zu haben. Allerdings krankt die Idee daran, dass Google Street View in den Heimatorten der Urlauber stark verbreitet ist, in den Urlaubsorten jedoch oft nicht. So verbergen sich beispielsweise hinter diese Abzweigung in Dänemark, einem der beliebtesten Urlaubsländer der Deutschen, geschätzte 250 Ferienhäuser, die man sich in Street View leider nicht anschauen kann. Ähnlich sieht es auf Mallorca aus. Die Urlaubsregionen, welche präferiert von den Personenkreisen angesteuert werden, die sich überdurchschnittlich wenig für die Unterkunft interessieren, sind wenigstens in Grundzügen erfasst. Das Hinterland, welches für die finanzkräftigeren, anspruchsvolleren Urlauber eher attraktiv ist, wurde von Google bisher jedoch vollständig ignoriert.
Als Gegenargument gegen die flächendeckende Einführung von Google Street View führt von Randow an, man dürfe Terroristen deren Machenschaften nicht vereinfachen. Daher dürften zum Beispiel Bilder von Kindergärten nicht veröffentlicht werden. Nun ist mir allerdings schleierhaft, wie Bilder von Kindergärten die Machenschaften von Terroristen beflügeln können. Auf Basis dieses Arguments kann man auch sehr schön sein vorher gebrachtes Argument entkräften, dass sich nun die Verbraucher über Hotels oder aber eben auch den zukünftigen Kindergarten des Nachwuchses informieren können. Da Terroristen diese Informationen ebenfalls abrufen können, müssten sie jedoch nicht abrufbar sein, was dem Sinn von Street View zuwider läuft.
Auch der wirtschaftliche Aspekt wird angesprochen. So vertritt von Randow die Meinung, dass nicht einzelne Städte von Google Geld verlangen sollten dafür, dass Google eben diese Städte fotografiert. Vielmehr wäre es an Google selbst, Geld von den Städten einzunehmen, weil Street View ja einer Marketingplattform gleichkäme. Ich finde das eine gute Idee. Aber nicht auf der Ebene von Städten oder Kommunen. Google müsste von jedem einzelnen Hausbesitzer Geld verlangen. Und wer nicht zahlt, wird nicht veröffentlicht. Bei diesem Opt-In könnte jeder selbst entscheiden, ob er seine Bilder, seine Automarke, die Größe seines Pools veröffentlicht haben möchte. Das ist ein besseres Verfahren, als pro forma alles und jeden zu fotografieren, damit sich später die Betroffenen/Geschädigten durch langwierige Prozesse quälen müssen, um ihre Daten wieder herauszubekommen. Dieses Opt-Out ist nicht wünschenswert.
Leider schließt von Randow den Artikel mit einem Statement, dass ich nicht nachvollziehen kann. Die Tageszeitung Die Welt soll geschrieben haben, Google habe es auf
alles Wissen, alle Bilder dieser Welt
abgesehen. Von Randow kommentiert dies damit, dass er sagt, es stimme weder die Voraussetzung noch die Folge.
Wer wollte ernsthaft behaupten, das Wissen (gar »alles Wissen«) sei just das, was man mit Suchbefehlen finden kann? Oder »alle Bilder dieser Welt« befänden sich im Netz?
Das Problem ist doch eben nicht, dass alle Bilder im Netz oder nicht im Netz zu finden sind. Das Problem ist, dass die Mehrheit der Menschen das Netz nur durch den Filter von Google erfahren. Webhits listet Google zum Beispiel mit einem Marktanteil in Deutschland von 89,4%, weltweit sieht es nicht viel besser aus. Auch wenn man den Zahlen nicht traut, zeigen sie doch ganz klar die Dominanz, die Google in bestimmten Marktbereichen mittlerweile inne hat. Und diese Dominanz ist das gefährliche. Für viele Leute ist es leider so, dass Wissen das ist, was im Internet auffindbar ist. Und für viele Leute gibt es auch keinen Unterschied zwischen einer Adressleiste eines Browsers und dem Suchfeld einer Suchmaschine. Möchte man den Internet-Auftritt der ZEIT besuchen, öffnet man nicht einen Browser und tippt www.zeit.de in dessen Adressleiste, sondern man öffnet einen Browser, findet dort als Startseite ein Suchfenster von Google und tippt dort www.zeit.de ein. Als erster Treffer wird dann das gesucht Objekt angezeigt und man ist zufrieden. Dies kann man selbst sehr schön an Hand des Google Dienstes Insights feststellen.