Ralf Westphal hat kürzlich einen Kommentar auf einen seiner dotnetpro-Artikel veröffentlich. Ich habe den Artikel noch nicht gelesen, allerdings möchte ich hier kurz Stellung zu dem Kommentar und Ralfs Antwort nehmen.
Ralf schreibt, dass er nicht verstehen kann, warum Betriebe Missstände in der Ausbildung, genauer der Berufsschule, nicht erkennen. Aus meiner Sicht liegt dies nicht nur darin begründet, dass in der Berufsschule keine “Experten” vorhanden sind. Dies wird sich wahrscheinlich von Schule zu Schule und auch von Lehrer zu Lehrer unterscheiden. Ich sehe das Problem viel mehr bei der Instanz, welche die Lehrpläne erstellt.
Ich erinnere mich daran, dass meine Berufsschullehrer immer sagten, die Schule habe auch eine allgemeinbildenden Lehrauftrag. Somit standen auch Sport, Religion oder Deutsch auf dem Plan. Im eigentlichen Lehrplan werden darüber hinaus ebenfalls Kenntnisse gefordert, die mit dem eigentlichen Beruf nichts zu tun haben. Wie man den Müll trennt, ist meines Erachtens nach nicht unbedingt ein Thema, was in einer Berufsausbildung thematisiert werden muss. Dies sollte eigentlich vom Elternhaus erledigt werden. In dieser Art sind einige Punkte im Lehrplan enthalten, die auf die (Berufs-)Schule “abgeschoben” wurden.
Dass die Ausbildungsbetriebe die Missstände nicht erkennen, möchte ich noch nicht einmal unterstellen. Ich sehe viel mehr eine Resignation in den Betrieben, da eine Einflussnahme nur sehr eingeschränkt möglich ist. Diese Einflussnahme wird dadurch erschwert, dass die Betriebe oftmals nur eine sehr geringe Anzahl Auszubildender in die Berufsschulen entsenden. Ich persönlich habe eine sehr gute betriebliche Ausbildung genossen, hatte einen sehr engagierten Ausbilder und auch einen Ausbildungsbetrieb, der immer wieder mit der lokalen IHK in Kontakt getreten ist, um auf grobe Missstände hinzuweisen. An den Ausbildungsinhalten selbst ist jedoch für einen mittelständischen Betrieb mit damals knapp 60 Mitarbeitern nichts zu ändern. Diese werden von den großen Betrieben, der Telekom und der Lufthansa, mit maßgeblich beeinflusst, wenn nicht gar diktiert. Und so richten sich hinderte Betriebe nach den Vorgaben einiger weniger. So lange dieser Missstand existiert, kann die betriebliche Ausbildung nicht das leisten, was man eigentlich von ihr erwarten sollte.
Natürlich steht es jedem Ausbildungsbetrieb frei, seine Azubis nicht in die Berufsschule zu entsenden, sondern sie selbst “vollständig” auszubilden. Aber oftmals bleiben dabei einige Themen aus der Strecke, die einen Großteil der Prüfung ausmachen, die weiterhin nur vor der IHK abgelegt werden kann. Welche kleine IT-Bude kann seine Azubis schon umfassend in die Warenwirtschaft einführen? Welcher Ausbilder ist in der Lage, seinen Schützlingen eine Mindestlagermenge oder eine chaotische Lagerung zu beschreiben? Welcher Betrieb hat überhaupt die Möglichkeit, einen Ausbilder so weit freizustellen, dass er den schulischen Part der Ausbildung übernehmen kann. Dies alles sind Probleme, die ein kleines oder mittelständisches Unternehmen an die Berufsschule binden, bei der sie ebenfalls nicht das Gewicht haben, eine “sinnvollere” Ausbildung einzufordern.