Dienstag bin ich von einer Inbetriebnahme aus einem ehemaligen Ostblockland zurückgekehrt. Dort wurde eine Lebensmittelanlage mit RFID-Technik ausgestattet. Die von meiner Firma beigesteuerte Software übernimmt dabei die Sammlung und Auswertung der anfallenden Daten. Ziel ist es, die Abläufe innerhalb der Anlage zu optimieren. Die Lebensmittel werden mit Formen hergestellt. Es gibt für unterschiedliche Produkte unterschiedliche Formen. Diese unterschiedlichen Formen können unterschiedlich schnell verschmutzen. Mit Hilfe der RFID-Technik soll nun zum einen ermittelt werden, wie lange es für einen bestimmten Typ Form dauert, bis er soweit verschmutzt ist, dass keine einwandfreien Produkte mehr gefertigt werden können und die Form somit gereinigt werden muss, und zum anderen, wie viele Umläufe eine Form bereits hinter sich hat und somit eventuell gereinigt werden muss. In diesem Fall würde die Form dann automatisch aus der Anlage ausgehoben. Bisher sah ich bei dem ganzen Projekt nichts verwerfliches, geht es doch um die Optimierung von Produktionsabläufen.
Als ich aber nun vor Ort war, kamen mir doch einige Zweifel. Die eigentliche Steuerung der Anlage wird von einer SPS durchgeführt. Die SPS führt intern ein Errorlog, in dem verzeichnet ist, wann eine Störung aufgetreten ist und wann der Anlagebediener sie quittiert hat. Auch daran allein kann nichts Verwerfliches festgestellt werden.
Problematisch wird es allerdings, wenn man die Daten der beiden Systeme kumuliert. Dann kann man nämlich sehen, wann wie schnell produziert wurde und ob in den Fällen, in denen langsam oder gar nicht produziert wurde, eine Störung der Anlage vorlag. Die Anlagebediener sind also unter ständiger Überwachung.
Ich möchte nun allerdings nicht den Eindruck erwecken, dass ich einem Unternehmen untersagen möchte, darauf zu achten, dass die eigenen Mitarbeiter nicht den ganzen Tag auf der faulen Haut liegen. Aber ich stehe der Möglichkeit skeptisch gegenüber, dass der Arbeitgeber jede nicht produzierte Sekunde erkennen kann. Zieht man nun noch in Betracht, dass es in den meisten Ländern des ehemaligen Ostblocks mit dem Kündigungsschutz nicht so weit her ist, wird es nicht unbedingt besser. Allerdings scheinst es mir in diesen Regionen doch auch sehr unwahrscheinlich, einen Angestellten zu finden, der diese Kumulation der Daten vornehmen kann, da dort bereits eine Fortbildung eines Mitarbeiters zum Thema SQL-Abfragen ein Unding ist.