Ich habe ein Depot bei einem größeren Geldinstitut, bei dem ich unter anderem etwas Geld in einem Tagesgeldfond liegen habe. Dieses Geld ist laut Geldinstitut “börsentäglich” verfügbar. Nun habe ich am Sonntag, den 20.12., dort einen Betrag angefordert. Da das Geld ja börsentäglich verfügbar ist, sollte man meinen, dass das Sonntags angeforderte Geld Dienstags auf dem Konto ist. Aber was muss ich gerade feststellen? Das Geld ist nicht da. Nach zwei Börsentagen noch kein Geld. Nun schau ich in meinem Orderbuch nach, wie denn der Status der Order ist. Dort ist lediglich zu entnehmen, dass die Order an das Depotsystem übertragen wurde.
Die Übertragung einer Order dauert also 48 Stunden. Wenn ich mal grob überlege, was da so alles übertragen werden muss:
Alles zusammen macht grob geschätzt 48 Byte Information. Die Übertragung dauert 48 Stunden, das macht also 1 Byte pro Stunde oder auch 450 Sekunden pro Bit. Vertrauenerweckende Infrastruktur.
Allein dies ist schon bemerkenswert, aber leider geht die Geschichte noch weiter.
Da ich es etwas unverschämt fand, dass meine Order, mir mein börsentäglich verfügbares Geld zur Verfügung zu stellen, 48 Stunden lang übertragen wird, wollte ich mich umgehend beschweren. Das macht man am besten mit Hilfe des Links “E-Mail an XY”. Nur leider verbirgt sich dahinter keine E-Mailadresse, sondern nur ein Kontaktformular. Ich bin ja persönlich kein Freund von Kontaktformularen, aber das kann man dem Geldinstitut ja nicht anlasten. Was mich allerdings als Programmierer wieder zur Weißglut treibt, ist folgendes:
Das erste Feld soll mit der Zugangsnummer ausgefüllt werden. Ich bin ja auch gerade nur an das System angemeldet, da wäre es ja zu viel verlangt, wenn sich genau dieses System die Zugangsnummer merken sollte.
Das zweite Feld ist mit der Depotnummer zu füllen. Nun ist es leider so, dass ich aus der Depotübersicht auf einen Link klicke, der mich zu einem Formular bringt, in das ich die Nummer des Depots eintragen soll, in dem ich auf einen Link geklickt habe.
Als nächstes soll mein Name angegeben werden. Warum sollte ich im ersten Feld meine dem System ohnehin bereits bekannte Zugangsnummer angeben? Damit man einen Personendatensatz finden kann, im dem mein Name gespeichert ist, um diesen dann zu ignorieren?. Also fragen wir hier ruhig den Namen nochmal ab, dann sind wir auf jeden Fall sicher, dass der gerade angemeldete Benutzer, der auch noch seinen Anmeldenamen angegeben hat, seinen realen Namen auch noch weiß. Ach, was könnten wir denn noch abfragen? Was ist denn noch viel zu tippen? Hmmm?? Genau, lasst uns doch auch noch die E-Mailadresse abfragen. Und um zu prüfen, ob der Benutzer, über den wir eh schon alles dreimal abgefragt haben, auch richtig tippen kann, lassen wir ihn die E-Mailadresse zweimal eingeben.
Und zu guter letzt gibt es in diesem Kontaktformular noch das Pflichtfeld Postleitzahl. - Warum?
Nein, wirklich. Warum wird hier über ein Pflichtfeld die Postleitzahl abgefragt? Was soll das? Was bringt diese dem System mittlerweile über 5 verschiedene Ecken bestätigte und neu zuordnungsbare Information für einen Nutzen im Beantworten einer über ein Kontaktformular eingegebenen E-Mail???
Zu diesem Epic Fail der Softwareindustrie kann ich nur sagen:
Liebe Benutzer der Produkte, die meine Berufsgruppe so alle verbricht: Bitte seht es uns nach. Denn wir wissen nicht, was wir tun.
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