Manchmal denke ich, dass die Leugner des Klimawandels, verkürzt auch Klimaleugner genannt, doch auch nur putzige Wesen sind, die es eigentlich zu erhalten gilt. Wer sollte uns sonst mit solch amüsanten Wortwechseln beglücken? Einen sehr netten möchte ich hier kurz nachzeichnen.
Der Aufhänger
In Tweetdeck rollte mal wieder das Icon der Klimaleugnerin _JennyGer_ in der Spalte Klimawandel an mit vorüber. Da sie mir schon vor einigen Tagen aufgefallen war, las ich ihren Tweet. Dieses Mal hatte sie den Aufmacher des Focus Nr. 48/2010, in dem eventuelle positive Effekte des Klimawandels thematisiert werden, als Bestätigung ihrer Meinung ausgemacht:
_JennyGer_: Umdenken: Wieso die globale Erwärmung gut für uns ist
Mit diesem Tweet verlinkte sie auf den Teaser zum Titelthema auf der Focus-Webseite. Meine Aufmerksamkeit war geweckt.
Das Thema
Da sie diese Statements unter dem Deckmantel der Piratenpartei abgibt (sie führt das schwarze Piratensegel in ihrem Profilbild), fragte auch kurzerhand jemand, wie denn die allgemeine Meinung der Piraten zu diesem Thema sei. _JennyGer_ legte verschärfend nach:
_JennyGer_: Im Ernst, wie stehen die #Piraten zum bisher extrem teuren aber folgenlosen Klimawandel ?
Damit begab sie sich auf Glatteis. Wie teuer war denn der Klimawandel bisher? Diese Frage abschließend zu beantworten ist unmöglich. Beispielweise kennt man zur Zeit weder den Wert des Biosystems an sich noch die bisherigen Folgen des Klimawandels auf ebendiesen Wert. Und dies ist nur ein Grund, warum die Kosten des Klimawandels nicht bekannt sind. Aber es gibt trotzdem Leute, die genaue Zahlen kennen:
_JennyGer_: er kostet global 800 Mrd EUR pro Jahr - das wäre ca. 1 Essen täglich für jedes "arme" Kind
Das ist erst einmal eine Behauptung. Nun muss sie verifiziert werden. Woher stammt diese Zahl?
_JennyGer_: mal irgendwo gelesen. keine ahnung obs stimmt.
Damit sie bei der nächsten Diskussionsrunde mit etwas mehr Fachwissen antreten kann, verwies ich sie auf den vielzitierten und auch vieldiskutierten Stern-Report. Und nun begann der eigentlich lustige Teil der Diskussion:
_JennyGer_: ich mag den Stern nicht lol - die schreiben immer nur was die Regierung diktiert - bevorzuge den Focus
Ich hatte den Stern-Report stillschweigend als bekannt vorausgesetzt, schließlich ist es eine der wichtigsten und umfangreichsten ökonomischen Studien zu diesem Thema. Ich wies darauf hin, dass es hier nicht um die deutsche Zeitschrift Stern, sondern um den britischen Ökonom Sir Nicholas Stern, ehemaliger Chefökonom der Weltbank und Vorsitzenden des volkswirtschaftlichen Dienstes der britischen Regierung. Die Antwort kam prompt:
_JennyGer_: Ich glaube Wissenschaftlern mehr als einem Angehörigen einer Regierung
Sir Stern ist tatsächlich Angehöriger der britischen Administration. Aber eben als Vorsitzender des volkswirtschaftlichen Dienstes. Er ist aber auch Professor an der London School of Economics. Man könnte ihn also durchaus Wissenschaftler nennen. Allerdings war wohl nun die Faktenlage zu erdrückend, sodass _JennyGer_ schweigend die Diskussion beendete. Vor dem Hintergrund eines ebenfalls in dieser Diskussion getätigten Tweets sehr vielsagend:
_JennyGer_: "Meinungsvielfalt" heißt doch auch, dass man Kritikern zuhört, die nicht dem politischen IPPC angehören?
Damit meint sie wirklich nur, dass man Kritikern zuhören soll. Wissenschaftlern außerhalb des IPCC, welche den Klimawandel bestätigen oder zumindest nicht leugnen, wie Sir Stern es einer ist, müssen die Klimaleugner wohl nicht zuhören.
Resümee
Ich habe mich oft gefragt, ob es sinnvoll ist, sich mit Leugnern des Klimawandels anzulegen, da sie oftmals die Fakten einfach nicht anerkennen. Es gibt ja mittlerweile immer mehr Klimaforscher, die die Meinung vertreten, ein Dialog mit den Leugnern wäre nicht möglich, da sie einfach nicht für Argumente zugänglich sind und den wissenschaftlichen Diskurs als Scharlatanerie und Marionettentheater abtun. Ich kann durchaus verstehen, dass der ein oder andere Wissenschaftler in einem solchen Kampf gegen Windmühlen irgendwann den Antrieb verliert. Jedoch denke ich, wenn schon nicht die Leugner von der wissenschaftlichen Evidenz zu überzeugen sind, so sollten doch zumindest den Argumenten der Leugner die Fakten entgegengesetzt werden. Oftmals lohnt es sich, da nur dadurch offensichtlich wird, wie wenig die Leugner tatsächlich von dem Themenkomplex wissen.