Psychotherapie nach Zalando

Manchmal frage ich mich, was Zalando mit dieser absolut nervigen Werbung bezweckt. Schrei vor Glück und so. Denn ich beobachte bei mir, dass die Werbung dazu führt, dass ich niemals etwas bei Zalando kaufen werden. Das gleiche Ergebnis bewirkt auch die Werbung von Seitenbacher. Auch so ein Fall. Ich glaube, in psychologischer Fachsprache nennt man das Aversionstherapie, also eine Therapie, die durch das Setzen negativer Reize ein bestimmten Verhalten unterdrücken will. Aber das kann doch nicht ernsthaft deren Ziel sein. Ist Werbung nicht dazu da, dass Leute ein Produkt von einem Hersteller kaufen, statt sich von ihm abzuwenden? Daraus folgert, dass ich nicht normal bin, wobei ich normal definiere als nicht der Mehrheit entsprechend. Und der Zustand des nicht normal Seins wird ja allzu oft als krankhafter zustand beschrieben. Ich bin also krank. Und wahrscheinlich wirkt die Werbung dadurch als Therapie bei mir, nur halt eben mit falschem Vorzeichen.

Vor einiger Zeit kam mir dann die Idee, dass es sich vielleicht gar nicht um einen Fall der Aversionstherapie handelt, sondern viel mehr um einen Fall der klassischen Konditionierung, was ja nach meinem laienhaften Verständnis nichts weiter ist als das Gegenteil der Aversionstherapie. Das wiederum würde auch bedeuten, dass nicht ich krank bin, sondern alle anderen. Denn bei mir wirkt die Therapie ja nicht, daher vermute ich, dass sie auf die anderen abzielt. Da sich immer noch gesendet wird, vermute ich weiter, dass die Anderen, bei denen eine gegenteilige Wirkung als bei mir erwartet wird, in der Mehrheit sind. Sonst würde die Werbung ja die Mehrheit der Kunden vergraulen. Daraus lässt sich nun schließen, dass Zalando meint, dass die Mehrheit der Menschen krank ist und daher einer Therapie bedarf.

Nennt man diese Krankheit womöglich Kaufangst? Ist Werbung dann im allgemeinen eher Therapie statt Marketing? Ist Kaufangst ansteckend? Und gibt es schon Selbsthilfegruppen?

Kleiner fun fact am Rande: Sucht man per Bing nach Seitenbacher, findet man als Unterpunkt der offiziellen Website von Seitenbacher den Punkt “wer hasst es nicht? Seitenbacher Müsli Werbung”. Klickt man drauf, bekommt man einen 404. Das war den Therapeuten dann wohl doch zu hart, als dass man es dem Patienten hätte zumuten können.

Weiterer fun fact: Der Wikipediaartikel von Seitenbacher dreht sich mehr um deren Werbung als um die Firma oder deren Produkte.

Und noch ein wenig Selbstreflexion: Vielleicht bin ich doch krank und die Werbung therapiert mich tatsächlich. Schließlich schreibe ich drüber und diene somit als Verstärker.Vielleicht sollte ich den besagten Unternehmen diese Dienstleistung auch in Rechnung stellen? Das wäre doch mal eine ganz neue Geschäftsidee.

Die NSA-Affäre und ihre Folgen

Ob es sich bei der NSA-Affäre um eine Affäre handelt oder um etwas anderes, soll hier nicht behandelt werden, auch wenn das durchaus eine interessante Frage ist. Mir ist eine andere Tatsache aufgefallen, deren kausalen Zusammenhang zu ebendieser NSA-Affäre ich nicht belegen kann, die Vermutung sich aber aufdrängt.

Ich bin seit einigen Jahren Mitglied der Organisation CACert. Ziel dieser Organisation ist es, ein Vertrauensnetzwerk aufzubauen. Dies ist nötig, um Informationen verschlüsselt zwischen Personen auszutauschen, ohne dass diese Personen sich direkt kennen. Hier tritt das Problem auf, dass man nicht sicher sein kann, ob beispielsweise eine Mailadresse zu einer bestimmten Person gehört. Es sei denn, man kennt die Person. Da man aber nicht jedes Mal, wenn man mit einem Menschen elektronisch in Kontakt treten möchte, diesen erst real kennenlernen möchte, besteht das Problem, dass man darauf vertrauen muss, dass die Mailadresse zu ebendieser Person gehört. Doch dieses Vertrauen entbehrt jeglicher Grundlage.

Hier kommt CACert ins Spiel. CACert ist ein Netzwerk aus Menschen, die sich teilweise kennen. Jeder kennt einige wenige Andere und kann bestätigen, dass diese Anderen die Besitzer bestimmter Mailadressen sind. Und zwar wechselseitig. Diese Anderen kennen ihrerseits wieder einige Andere, denen sie vertrauen, und so geht es immer weiter. Es entsteht ein Vertrauensnetzwerk. Einfach dargestellt: Ich vertraue dir, du vertraust deinem Freund, also vertraue ich deinem Freund. Ganz so simpel ist es natürlich nicht, aber auch nicht wirklich viel komplexer.

Dieses Prinzip bedeutet nun, dass die Mitgliedschaft in diesem Netzwerk den Vorteil hat, dass alle anderen Mitglieder des Netzwerks meine digitale Identität in Form einer E-Mailadresse anerkennen. Ohne eine direkte Bekanntschaft. Und diese Anerkennung ist für die verschlüsselte Kommunikation wichtig.

Bemerkenswert aus meiner Sicht sind nun zwei Dinge. Zum einen habe ich seit der NSA-Affäre so viele Anfragen von Leuten bekommen, die in das Netzwerk aufgenommen werden wollen, wie in den ganzen sieben Jahren davor. Das finde ich insofern bemerkenswert, als dass es scheint, dass die NSA-Affäre bei einigen ein Bewusstsein geschaffen hat über das, was im Internet passiert. Zum anderen ist für mich bemerkenswert, dass seit der NSA-Affäre drei Menschen in das Netzwerk aufgenommen werden wollten. So wie ich mich über die Bewusstseinsschaffung freue, so bin ich doch enttäuscht, dass es nur drei sind. In einem Einzugsgebiet von ca 300.000 Menschen.

Es stellen sich mir daher die Fragen: Ist die ganze mediale Berichterstattung vollkommen am Interesse der Menschen vorbei? Oder interessiert es die Menschen, und sie schimpfen auf die bösen Geheimdienste, schaffen es aber nicht, sich selbst mal für etwas einzusetzen, und sei es auch nur für die Vertraulichkeit der eigenen Kommunikation? Oder ist es sogar so, dass die ganze mediale Berichterstattung lediglich von mir wahrgenommen wird, da ich mich diesem Thema verbunden fühle und daher die entsprechenden Medien verfolge, in den “normalen Medien” dafür das Thema einfach nicht behandelt wird?

Krautfäule und faule Kräuter

Gestern war ich zu Besuch im Greenspace aka Hammergarten aka Stadtteilgarten 1 aka ??? Ich hatte per Mailingliste angeboten, einige meiner grünen Zebras und Sliwowidnij mitzubringen. Und prompt kam der Hinweis, dass man im Siegerland Tomaten besser erst nach den Eisheiligen raussetzen sollte. Vielen Dank an dieser Stelle an Anna für den Hinweis. Dies zeigt sehr schön, wie eine solche Initiative Menschen zusammenbringt, mit denen man im normalen Leben keinen Kontakt gehabt hätte (Zugegeben, Anna kenne ich flüchtig, aber viele andere, die sich auf der Mailingliste und im Garten tummeln, hatte ich vorher noch nie gesehen). Und es ist auch ein sehr schönes Beispiel dafür, wie ein Stadtteilgarten bereits in der Startphase Wissen streut und vermehrt und auch weitere Wissensvermehrung nach sich zieht. Denn als Reaktion auf mein Tomatenangebot kam auch der Hinweis, dass Tomaten besser nicht in die Nähe von Kartoffeln gepflanzt werden sollten, um Krautfäule zu vermeiden. Aus diesem Hinweis hat sich nun eine Verträglichkeitsliste entwickelt, die im Garten aushängt. Auf dieser kann nun jeder nachlesen, welche Pflanzen sich vertragen und welche man besser räumlich weit getrennt in die Erde bringt. Und wer eine Lücke in der Liste findet, kann diese füllen. Ein analoges Wiki also. Und gleichzeitig ein schönes Beitrag zum Thema Teilhabe.

Urban gardening

Das Thema beschäftigt mich bereits seit längerem. Und wie ich eben feststellen durfte, nicht nur mich. Heute Abend gab es nämlich einen Vortrag zu Urban Gardening von Maike, die das Thema endlich auch in Siegen mal angepackt hat. Die Zahl der Teilnehmer lässt vermuten, dass Maike und ihre Mitstreiter von der Initiative Transition Siegen der Funken sind, der nun das Feuer entfacht. Denn es waren 30-40 Leute im Siegener Hackspace HaSi, um sich über den Greenspace am Effertsufer informieren zu lassen. Dabei handelt es sich um einen Stadtteilgarten, den ersten seiner Art in Siegen.

Maike erzählte auch gleich recht umfassend und anschaulich, wo Urban Gardening herkommt, was es damit auf sich hat und welche Formen es annehmen kann. Am Ende konnte man dann auch direkt in den Joghurtbecher, den man während des Vortrags ausgelöffelt hat, die ersten Samen pflanzen. Auf jeden Fall eine gelungene Aktion. Ich freue mich schon auf Samstag, denn dann treffen sich die Stadtgärtner im Greenspace. Und da werde ich mir das ganze mal aus der Nähe anschauen. Vielleicht lässt sich ja mein Projekt der Streuobstwiese etwas abwandeln und thematisch und biologisch erweitern.

Die Route 57 ist unnötig

Nicht anders kann man die Entscheidung der Firma EJOT interpretieren, ihr neues Zentrallager am Stammsitz in in Wittgenstein zu bauen. 15 Mill. Euro will das Unternehmen investieren. Und das, obwohl man seit Jahren immer wieder die Einrichtung der Route 57 fordert.

Die Einschätzung der Firma EJOT, dass der Standort Wittgenstein auch ohne Route 57 wirtschaftlich ist, begründet sich mit einer von der Firma selbst in Auftrag gegebenen Studie, in der der Standort im Wittgenstein und der Standort Tambach in Thüringen verglichen wurden. Da die Entscheidung für Wittgenstein gefallen ist, ist davon auszugehen, dass die Studie keine nennenswerten Nachteile trotz einer angeblich besseren Verkehrsanbindung in Thüringen beschreibt.

Dass man sich bei der Entscheidungsfindung spekulativ auf das Vorhandensein der Straße berufen hat, ist ebenso unwahrscheinlich. Denn kürzlich wurden auf Nachfrage der Grünen die Ergebnisse einer seit Monaten unter Verschluss gehaltenen Studie bekannt, nach der die Realisierung der Straße mehr als unwahrscheinlich ist. Es ist davon auszugehen, dass die treibenden Kräfte hinter der Kampagne Route 57 über den Inhalt der Studie unterrichtet waren, denn der Landrat, der die Studie zurückhielt, ist einer der größten Verfechter des Straßenbauprojekts. Leider ist bisher weder die Studie, noch das Protokoll der Sitzung des Verkehrsausschuss des Kreises noch die von den Grünen veröffentlichte Pressemitteilung online.

Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom

Nachdem nun fast alle lokalen Zeitungen vermutlich eine Pressemitteilung der Siegener Versorgungsbetriebe (SVB) nahezu unverändert (WAZ, Siegerland Kurier, Siegener Zeitung hinter Paywall) abgedruckt haben, brennt mir ein Thema doch etwas unter den Nägeln.

Es geht um das Thema Ökostrom. In den Artikeln wird beschrieben, dass die SVB durch eine rückwärtslaufende Pumpe reinen Ökostrom erzeugen. Die Logik dahinter ist, dass Energie aus Wasserkraft ja zu den “sauberen” Energien gehört und damit ist es Ökostrom. Prinzipiell ist das auch richtig; Wasserkraft in Form von Laufwasserkraftwerken ist eine saubere Energieform, die auch zu den erneuerbaren gezählt wird. Man muss hier jedoch fein unterscheiden. Energie aus einem Pumpspeicherkraftwerk, was ja auch mit Wasser als Energieträger arbeitet, muss nicht zwangsläufig erneuerbare Energie sein.

Der Unterschied besteht darin, dass bei Laufwasserkraftwerken das Wasser auf natürlichem Weg zur Quelle befördert wurde und nun den Berg hinab fließt. Dabei wird dem Wasser Energie entzogen. Technisch beschrieben wird dabei potenzielle Energie in kinetische Energie umgewandelt. Die potenzielle Energie wurde dem Wasser auf natürlichem Wege beigebracht. Bei einem Pumpspeicherkraftwerk, und um nichts anderes handelt es sich bei der beschriebenen Anlage, wird das Wasser nicht auf natürlichem Wege in das obere Becken (auf den Berg) gebracht. Es wird zwar auch potenzielle Energie in kinetische Energie verwandelt, allerdings wurde vorher durch die gleiche Pumpe kinetische Energie in potenzielle verwandelt, nämlich zu dem Zeitpunkt, wo das Wasser in das obere Becken gepumpt wurde.

Die Krux ist nun die Herkunft der kinetischen Energie, die für das Hochpumpen des Wassers verwendet wurde. Stammt diese aus einem Kohlekraftwerk oder einen Atomkraftwerk, so wird die Energie durch die Zwischenspeicherung im Wasser nicht sauberer (auch wenn das ein schönes Bild wäre). Man kann nicht Energie aus einem Atomkraftwerk in potenzielle Energie verwandeln und sie anschließend wieder in angeblich grüne kinetische Energie rücktransformieren. Wirklich grüne Energie wäre es, wenn bereits für das Hochpumpen des Wassers regenerative Energie aus Wind, Wasser, Sonne etc. eingesetzt würde. Dies wird in den Artikeln allerdings nicht erwähnt. Daher sollte man die dort gewonnene Energie auch nicht ökologisch nennen.

Man soll mich hier nicht falsch verstehen: Im Artikel wird beschrieben, dass die Energie, würde sie nicht durch die rückwärtslaufende Pumpe nutzbar gemacht, verpufft wäre. Es wird somit ein bisher brachliegendes Potenzial genutzt. Das ist eine gute Sache. Mit solchen Maßnahmen können zwar nur kleine Beiträge zur Energieversorgung geleistet werden, aber Kleinvieh macht auch Mist. Wenn viele solcher brachliegender Potenziale nutzbar gemacht werden, können daraus durchaus große Summen entstehen. Aber die Nutzung eines bisher brachliegenden Potenzials sagt nun mal nichts über die Herkunft des Potenzials aus. Hier sollte man sich nicht hinters Licht führen lassen.

Interessant und auch etwas erschreckend fand ich die Tatsache, dass alle Zeitungen den Artikel ohne kritische Nachfrage abgedruckt haben. Natürlich haben lokale Zeitungen einen erheblichen Kostendruck und auch nicht immer die Zeit, sich mit allen Pressemitteilungen grundsätzlich zu beschäftigen. Aber dieser Punkt hätte einem Redakteur, der sich mit der Materie etwas auskennt, ins Auge springen müssen. Einen solchen Redakteur hätte ich bei mindestens zwei der drei oben genannten Zeitungen erwartet. Und wenn man einen solchen Redakteur nicht hat, sollte man sich als Zeitung überlegen, ob man die Pressemitteilung dann eventuell nicht druckt. Oder ist mein Anspruch an die (lokalen) Printmedien hier zu hoch?

Kein Geld mehr für ITER

Meiner Zuneigung zum Kernfusionsforschungsreaktor ITER habe ich ja bereits Tribut gezollt. Umso erfreulicher war für mich die Nachricht, dass das Bundesforschungsministerium keine Fördergelder mehr für Projekte rund um den Kernfusionsreaktor vergeben möchte. Die offizielle Begründung lautet, dass seit 2006 rund 1 Mrd. Euro für das Projekt freigegeben wurden, jedoch nur Aufträge für ca. 31,1 Mio. Euro an deutsche Firmen vergeben wurden.

Und hier komme ich etwas ins grübeln. Ist es Standard in der deutschen Forschungspolitik, dass nur Projekte gefördert werden, die auch wirtschaftliche Prosperität für deutsche Unternehmen nach sich ziehen? Ich hoffe, dass dies nur Angesichts der erheblichen finanziellen Mittel, die für ITER bereitgestellt wurden, der Fall ist. Andernfalls wäre die deutsche Forschungsförderung in schrecklicher Schieflage.

Mehr Treibhausgase

Der Bundestag will mehr Treibhausgase ausstoßen. Darüber hat der Ältestenrat nun entschieden, mit der Gegenstimme der Grünen. Es geht darum, dass den Abgeordneten die Limousinen der Fahrbereitschaft zu klein sind. Dies resultiert daraus, dass die Flotte der Fahrbereitschaft eigentlich nur 120g CO2/km ausstoßen darf. Allerdings gibt es keine in den Augen der Parlamentarier angemessene Fahrzeuge, die diesen Grenzwert auch einhalten können. Daher nun die Entscheidung, weiterhin gegen diese Auflage zu verstoßen und den Grenzwert auf 140g CO2/km er erhöhen.

Man beachte, dass es vor allem auf Bestrebungen der Bundesregierung nicht zu strengeren EU-Abgasgrenzwerten gekommen ist. Denn dadurch hätten auch deutsche Autobauer mehr in saubere Technik investieren müssen, was kurzfristig zu höheren Forschungs- und Entwicklungskosten geführt hätte, auf lange Sicht jedoch erheblich zur Minderung des Verbrauchs beigetragen hat. Und um den Autobauern noch weiter entgegen zu kommen, hat man dann E10 eingeführt, um so die Emissionen von Treibhausgasen zu senken. Bekanntlich ist diese Taktik ja nicht ganz aufgegangen. Sich nun hinzustellen und zu sagen, man würde ja gerne mit saubereren Autos fahren, es gäbe halt nur keine, ist vor diesem Hintergrund schon der blanke Hohn.

Die Autobauer argumentieren immer wieder, dass man am Verbrauch nicht so viel drehen kann, weil man die Leistung steigern müsse. Würde in Deutschland, wie allen seinen Nachbarländern auch, auf der Autobahn endlich ein Tempolimit eingeführt, dann müsste auch die Leistung der Autos nicht immer weiter gesteigert werden. Wenn man die tonnenschweren Limousinen nicht mehr in weniger als 20 Sekunden auf 250 km/h beschleunigen muss, kann der Motor halt entsprechend kleiner ausfallen. Aber vor diesem Thema schreckt die Bundesregierung ja seit Jahren zurück.

Auf den Einwand von Bärbel Höhn, man könne in Berlin ja auch einfach mal ein Taxi nehmen, wurde erwidert, dass die Parlamentarier dann immer mit politische Belehrungen konfrontiert würden. Es scheint also in Teilen des Parlaments der Wunsch nach einer aristokratischen Politikerkaste vorhanden zu sein, die mit dem gemeinen Volk so wenig wie möglich zu tun haben möchte.

Was soll man von einem Parlament halten, das die selbst gesteckten Ziele hintenrum wieder zurücknimmt, weil die eigene Politik so fehlgeleitet ist, dass die Ziele nicht erfüllt werden können?

Streuobstwiese

Seit Jahrzehnten befindet sich im Besitz meiner Familie (noch hochtrabender konnte ich es nicht ausrücken) ein Grundstück am Waldrand. Und seit mindestens ebenso langer Zeit wird das Grundstück nicht genutzt. Aktuell ist ein kleiner Teil mit etwas Wald bewachsen, der Rest ist brachliegendes Grünland.

Nun las ich vor einigen Tagen auf einem Schild eines ansässigen Gartenbaubetriebs, dass nun die Zeit sei, um Obstgehölze zu pflanzen. War ich bisher auf “Obstspenden” angewiesen, um im Herbst Marmelade, Gelee und andere Köstlichkeiten herzustellen, dachte ich mir nun, ich könnte ja mein eigener Obstbauer werden. Kann ja nicht so schwer sein. Baum kaufen, Loch graben, Baum rein, ein Jahr warten, Obst ernten.

Da ich aber nicht irgendeinen Baum pflanzen wollte, und ich auch gerne verschiedene Obstsorten möchte, begab ich mich auf die Suche nach Informationen über Obstbäume. Und je mehr ich mich damit beschäftigte, desto klarer wurde mir, dass es mit der oben beschriebenen Vorgehensweise wahrscheinlich nicht funktioniert. Es gehört doch etwas mehr dazu. Da mich dies aber nicht davon abbringt, die Wiese einem sinnvolleren Nutzen als ihrem bloßen Dasein zuzuführen, möchte ich hier nach und nach von meinem “Projekt Streuobstwiese” berichten, in der Hoffnung, Nachahmer zu finden, Informationen bereit zu stellen und in Kontakt mit anderen Streuobstbauern zu kommen.

Beginnen möchte ich mit den Beweggründen und Nebenzielen. So ist es mir nicht nur wichtig, Obst ernten zu können. Vielmehr soll das Wiesenbrachland durch das Anlegen einer Streuobstwiese auch ökologisch aufgewertet werden. Denn Streuobstwiesen sind Lebensraum für eine Vielzahl unterschiedlicher Tiere, wohingegen Wiesenbrachland nach einigen Jahren nicht mehr zu den artenreichen Flächen gezählt wird. Dieses Nebenziel stellt sich in gewissem Grad also von ganz alleine ein. Ob und wie ich es noch unterstützen werde, wird sich später zeigen.

Im ersten Schritt werde ich nun die Fläche ausmessen, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie viele Bäume auf der Fläche gepflanzt werden können und wie diese sinnvoll anzuordnen sind. Denn zum einen bringt beispielsweise ein einzelner Apfelbaum nichts, wenn weit und breit kein anderer Baum verfügbar ist, der Pollen zur Bestäubung liefern kann. Denn viele Apfelbäume benötigen einen Pollenspender. Zum anderen ist es wichtig, dass die Bäume genug Platz haben, sich zu entwickeln. Anfänglich ist ein Baum ja recht klein und niedlich, mit den Jahren können sich aber stattliche Kronen ausbilden, sodass bereits bei der Pflanzung darauf Rücksicht genommen werden muss.

Mit Hilfe von TIM Online konnte ich ausmessen, dass das Grundstück eine Fläche von ca. 2700 m² hat. Laut Deutscher Grundkarte liegt es zwischen 385 und 402 m hoch. Nun muss ich mich vor Ort auf die Suche nach de Grenzsteinen begeben, um dann das Waldstück auf der Karte einzuzeichnen, damit ich dieses bei der Planung berücksichtigen kann.

Fortsetzung folgt…

Der heilige Gral der Energiebranche

Die Kernfusionsforschung ist seit Jahrzehnten der heilige Gral der Energiebranche. Mit dem “Sonnenfeuer auf Erden” soll das Energieproblem der Menschheit gelöst werden. Anfänglich verbreitete die Aussicht auf eine nahezu unerschöpfliche Energiequelle gehörige Euphorie. So avisierten die Forscher bereits in den Siebzigern, in 30 bis 40 Jahren mit Hilfe der Kernfusion den Energiebedarf der Menschheit zu decken. Doch nach Jahrzehnten der Forschung macht sich langsam Ernüchterung breit. Heute geht man davon aus, dass nicht vor 2050 mit nennenswerten Beiträgen zur Energieversorgung zu rechnen ist. Ein gewisses Maß an Skepsis scheint angebracht.

Vor dem Hintergrund der eingeleiteten Energiewende stellt sich darüber hinaus die Frage, ob es sinnvoll ist, Milliarden in eine Technologie zu investieren, deren Nutzen auf absehbare Zeit nicht erschlossen werden kann. Im Best Case ist die Kernfusion 2050 verfügbar. Das ist das Jahr, in dem Deutschland 80% seines Energiebedarfs mit Hilfe der erneuerbaren Energien decken will. Braucht man dann für die restlichen 20% noch die Kernfusion? Vor allem, wenn man den Anteil der erneuerbaren Energien noch weiter auf 100% steigern möchte? Und das ist nur der Idealfall. Schreibt man die Prognosen über die wirtschaftliche Nutzung der Kernfusion fort, so wird im Jahre 2050 die wirtschaftliche Nutzung ab 2090 prophezeit.

Das Geld, welches hier für scheinbar überflüssige Forschung ausgegeben wird, ließe sich sicherlich besser für die Energiewende einsetzen. Gegenwärtig geht das staatlich angefachte Gespenst der 5 Cent Einspeisevergütung um. Von vielen Seiten wird gegen die erneuerbaren Energien gehetzt. Dabei sind es doch gerade die Erneuerbaren, deren Subventionen als einzige öffentlich sind. Weder die Staatshilfen für die Atomenergie noch die Vergünstigungen der EEG-Umlage für Tierfutterhersteller ist öffentlich bekannt. Auch die Freistellungen von der Zahlung der Netzentgelte ist nicht zugänglich.

In dieser Debatte ist die Nachricht, dass die Zahlungen für den Kernfusionsreaktor ITER eingestellt werden, eine positive Neuigkeit. Regt sich dadurch doch die Hoffnung, dass zukünftig die Kernfusionsforschung nicht mehr mit der Vision verfolgt wird, damit die Energieprobleme der Menschheit zu lösen. Ob dies jedoch auch so eintritt, oder ob es sich hier nur um eine kleine Verschiebung der Forschungsaktivitäten handelt, bleibt abzuwarten.