Krautfäule und faule Kräuter

Gestern war ich zu Besuch im Greenspace aka Hammergarten aka Stadtteilgarten 1 aka ??? Ich hatte per Mailingliste angeboten, einige meiner grünen Zebras und Sliwowidnij mitzubringen. Und prompt kam der Hinweis, dass man im Siegerland Tomaten besser erst nach den Eisheiligen raussetzen sollte. Vielen Dank an dieser Stelle an Anna für den Hinweis. Dies zeigt sehr schön, wie eine solche Initiative Menschen zusammenbringt, mit denen man im normalen Leben keinen Kontakt gehabt hätte (Zugegeben, Anna kenne ich flüchtig, aber viele andere, die sich auf der Mailingliste und im Garten tummeln, hatte ich vorher noch nie gesehen). Und es ist auch ein sehr schönes Beispiel dafür, wie ein Stadtteilgarten bereits in der Startphase Wissen streut und vermehrt und auch weitere Wissensvermehrung nach sich zieht. Denn als Reaktion auf mein Tomatenangebot kam auch der Hinweis, dass Tomaten besser nicht in die Nähe von Kartoffeln gepflanzt werden sollten, um Krautfäule zu vermeiden. Aus diesem Hinweis hat sich nun eine Verträglichkeitsliste entwickelt, die im Garten aushängt. Auf dieser kann nun jeder nachlesen, welche Pflanzen sich vertragen und welche man besser räumlich weit getrennt in die Erde bringt. Und wer eine Lücke in der Liste findet, kann diese füllen. Ein analoges Wiki also. Und gleichzeitig ein schönes Beitrag zum Thema Teilhabe.

Urban gardening

Das Thema beschäftigt mich bereits seit längerem. Und wie ich eben feststellen durfte, nicht nur mich. Heute Abend gab es nämlich einen Vortrag zu Urban Gardening von Maike, die das Thema endlich auch in Siegen mal angepackt hat. Die Zahl der Teilnehmer lässt vermuten, dass Maike und ihre Mitstreiter von der Initiative Transition Siegen der Funken sind, der nun das Feuer entfacht. Denn es waren 30-40 Leute im Siegener Hackspace HaSi, um sich über den Greenspace am Effertsufer informieren zu lassen. Dabei handelt es sich um einen Stadtteilgarten, den ersten seiner Art in Siegen.

Maike erzählte auch gleich recht umfassend und anschaulich, wo Urban Gardening herkommt, was es damit auf sich hat und welche Formen es annehmen kann. Am Ende konnte man dann auch direkt in den Joghurtbecher, den man während des Vortrags ausgelöffelt hat, die ersten Samen pflanzen. Auf jeden Fall eine gelungene Aktion. Ich freue mich schon auf Samstag, denn dann treffen sich die Stadtgärtner im Greenspace. Und da werde ich mir das ganze mal aus der Nähe anschauen. Vielleicht lässt sich ja mein Projekt der Streuobstwiese etwas abwandeln und thematisch und biologisch erweitern.

Die Route 57 ist unnötig

Nicht anders kann man die Entscheidung der Firma EJOT interpretieren, ihr neues Zentrallager am Stammsitz in in Wittgenstein zu bauen. 15 Mill. Euro will das Unternehmen investieren. Und das, obwohl man seit Jahren immer wieder die Einrichtung der Route 57 fordert.

Die Einschätzung der Firma EJOT, dass der Standort Wittgenstein auch ohne Route 57 wirtschaftlich ist, begründet sich mit einer von der Firma selbst in Auftrag gegebenen Studie, in der der Standort im Wittgenstein und der Standort Tambach in Thüringen verglichen wurden. Da die Entscheidung für Wittgenstein gefallen ist, ist davon auszugehen, dass die Studie keine nennenswerten Nachteile trotz einer angeblich besseren Verkehrsanbindung in Thüringen beschreibt.

Dass man sich bei der Entscheidungsfindung spekulativ auf das Vorhandensein der Straße berufen hat, ist ebenso unwahrscheinlich. Denn kürzlich wurden auf Nachfrage der Grünen die Ergebnisse einer seit Monaten unter Verschluss gehaltenen Studie bekannt, nach der die Realisierung der Straße mehr als unwahrscheinlich ist. Es ist davon auszugehen, dass die treibenden Kräfte hinter der Kampagne Route 57 über den Inhalt der Studie unterrichtet waren, denn der Landrat, der die Studie zurückhielt, ist einer der größten Verfechter des Straßenbauprojekts. Leider ist bisher weder die Studie, noch das Protokoll der Sitzung des Verkehrsausschuss des Kreises noch die von den Grünen veröffentlichte Pressemitteilung online.

Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom

Nachdem nun fast alle lokalen Zeitungen vermutlich eine Pressemitteilung der Siegener Versorgungsbetriebe (SVB) nahezu unverändert (WAZ, Siegerland Kurier, Siegener Zeitung hinter Paywall) abgedruckt haben, brennt mir ein Thema doch etwas unter den Nägeln.

Es geht um das Thema Ökostrom. In den Artikeln wird beschrieben, dass die SVB durch eine rückwärtslaufende Pumpe reinen Ökostrom erzeugen. Die Logik dahinter ist, dass Energie aus Wasserkraft ja zu den “sauberen” Energien gehört und damit ist es Ökostrom. Prinzipiell ist das auch richtig; Wasserkraft in Form von Laufwasserkraftwerken ist eine saubere Energieform, die auch zu den erneuerbaren gezählt wird. Man muss hier jedoch fein unterscheiden. Energie aus einem Pumpspeicherkraftwerk, was ja auch mit Wasser als Energieträger arbeitet, muss nicht zwangsläufig erneuerbare Energie sein.

Der Unterschied besteht darin, dass bei Laufwasserkraftwerken das Wasser auf natürlichem Weg zur Quelle befördert wurde und nun den Berg hinab fließt. Dabei wird dem Wasser Energie entzogen. Technisch beschrieben wird dabei potenzielle Energie in kinetische Energie umgewandelt. Die potenzielle Energie wurde dem Wasser auf natürlichem Wege beigebracht. Bei einem Pumpspeicherkraftwerk, und um nichts anderes handelt es sich bei der beschriebenen Anlage, wird das Wasser nicht auf natürlichem Wege in das obere Becken (auf den Berg) gebracht. Es wird zwar auch potenzielle Energie in kinetische Energie verwandelt, allerdings wurde vorher durch die gleiche Pumpe kinetische Energie in potenzielle verwandelt, nämlich zu dem Zeitpunkt, wo das Wasser in das obere Becken gepumpt wurde.

Die Krux ist nun die Herkunft der kinetischen Energie, die für das Hochpumpen des Wassers verwendet wurde. Stammt diese aus einem Kohlekraftwerk oder einen Atomkraftwerk, so wird die Energie durch die Zwischenspeicherung im Wasser nicht sauberer (auch wenn das ein schönes Bild wäre). Man kann nicht Energie aus einem Atomkraftwerk in potenzielle Energie verwandeln und sie anschließend wieder in angeblich grüne kinetische Energie rücktransformieren. Wirklich grüne Energie wäre es, wenn bereits für das Hochpumpen des Wassers regenerative Energie aus Wind, Wasser, Sonne etc. eingesetzt würde. Dies wird in den Artikeln allerdings nicht erwähnt. Daher sollte man die dort gewonnene Energie auch nicht ökologisch nennen.

Man soll mich hier nicht falsch verstehen: Im Artikel wird beschrieben, dass die Energie, würde sie nicht durch die rückwärtslaufende Pumpe nutzbar gemacht, verpufft wäre. Es wird somit ein bisher brachliegendes Potenzial genutzt. Das ist eine gute Sache. Mit solchen Maßnahmen können zwar nur kleine Beiträge zur Energieversorgung geleistet werden, aber Kleinvieh macht auch Mist. Wenn viele solcher brachliegender Potenziale nutzbar gemacht werden, können daraus durchaus große Summen entstehen. Aber die Nutzung eines bisher brachliegenden Potenzials sagt nun mal nichts über die Herkunft des Potenzials aus. Hier sollte man sich nicht hinters Licht führen lassen.

Interessant und auch etwas erschreckend fand ich die Tatsache, dass alle Zeitungen den Artikel ohne kritische Nachfrage abgedruckt haben. Natürlich haben lokale Zeitungen einen erheblichen Kostendruck und auch nicht immer die Zeit, sich mit allen Pressemitteilungen grundsätzlich zu beschäftigen. Aber dieser Punkt hätte einem Redakteur, der sich mit der Materie etwas auskennt, ins Auge springen müssen. Einen solchen Redakteur hätte ich bei mindestens zwei der drei oben genannten Zeitungen erwartet. Und wenn man einen solchen Redakteur nicht hat, sollte man sich als Zeitung überlegen, ob man die Pressemitteilung dann eventuell nicht druckt. Oder ist mein Anspruch an die (lokalen) Printmedien hier zu hoch?

Kein Geld mehr für ITER

Meiner Zuneigung zum Kernfusionsforschungsreaktor ITER habe ich ja bereits Tribut gezollt. Umso erfreulicher war für mich die Nachricht, dass das Bundesforschungsministerium keine Fördergelder mehr für Projekte rund um den Kernfusionsreaktor vergeben möchte. Die offizielle Begründung lautet, dass seit 2006 rund 1 Mrd. Euro für das Projekt freigegeben wurden, jedoch nur Aufträge für ca. 31,1 Mio. Euro an deutsche Firmen vergeben wurden.

Und hier komme ich etwas ins grübeln. Ist es Standard in der deutschen Forschungspolitik, dass nur Projekte gefördert werden, die auch wirtschaftliche Prosperität für deutsche Unternehmen nach sich ziehen? Ich hoffe, dass dies nur Angesichts der erheblichen finanziellen Mittel, die für ITER bereitgestellt wurden, der Fall ist. Andernfalls wäre die deutsche Forschungsförderung in schrecklicher Schieflage.

Mehr Treibhausgase

Der Bundestag will mehr Treibhausgase ausstoßen. Darüber hat der Ältestenrat nun entschieden, mit der Gegenstimme der Grünen. Es geht darum, dass den Abgeordneten die Limousinen der Fahrbereitschaft zu klein sind. Dies resultiert daraus, dass die Flotte der Fahrbereitschaft eigentlich nur 120g CO2/km ausstoßen darf. Allerdings gibt es keine in den Augen der Parlamentarier angemessene Fahrzeuge, die diesen Grenzwert auch einhalten können. Daher nun die Entscheidung, weiterhin gegen diese Auflage zu verstoßen und den Grenzwert auf 140g CO2/km er erhöhen.

Man beachte, dass es vor allem auf Bestrebungen der Bundesregierung nicht zu strengeren EU-Abgasgrenzwerten gekommen ist. Denn dadurch hätten auch deutsche Autobauer mehr in saubere Technik investieren müssen, was kurzfristig zu höheren Forschungs- und Entwicklungskosten geführt hätte, auf lange Sicht jedoch erheblich zur Minderung des Verbrauchs beigetragen hat. Und um den Autobauern noch weiter entgegen zu kommen, hat man dann E10 eingeführt, um so die Emissionen von Treibhausgasen zu senken. Bekanntlich ist diese Taktik ja nicht ganz aufgegangen. Sich nun hinzustellen und zu sagen, man würde ja gerne mit saubereren Autos fahren, es gäbe halt nur keine, ist vor diesem Hintergrund schon der blanke Hohn.

Die Autobauer argumentieren immer wieder, dass man am Verbrauch nicht so viel drehen kann, weil man die Leistung steigern müsse. Würde in Deutschland, wie allen seinen Nachbarländern auch, auf der Autobahn endlich ein Tempolimit eingeführt, dann müsste auch die Leistung der Autos nicht immer weiter gesteigert werden. Wenn man die tonnenschweren Limousinen nicht mehr in weniger als 20 Sekunden auf 250 km/h beschleunigen muss, kann der Motor halt entsprechend kleiner ausfallen. Aber vor diesem Thema schreckt die Bundesregierung ja seit Jahren zurück.

Auf den Einwand von Bärbel Höhn, man könne in Berlin ja auch einfach mal ein Taxi nehmen, wurde erwidert, dass die Parlamentarier dann immer mit politische Belehrungen konfrontiert würden. Es scheint also in Teilen des Parlaments der Wunsch nach einer aristokratischen Politikerkaste vorhanden zu sein, die mit dem gemeinen Volk so wenig wie möglich zu tun haben möchte.

Was soll man von einem Parlament halten, das die selbst gesteckten Ziele hintenrum wieder zurücknimmt, weil die eigene Politik so fehlgeleitet ist, dass die Ziele nicht erfüllt werden können?

Streuobstwiese

Seit Jahrzehnten befindet sich im Besitz meiner Familie (noch hochtrabender konnte ich es nicht ausrücken) ein Grundstück am Waldrand. Und seit mindestens ebenso langer Zeit wird das Grundstück nicht genutzt. Aktuell ist ein kleiner Teil mit etwas Wald bewachsen, der Rest ist brachliegendes Grünland.

Nun las ich vor einigen Tagen auf einem Schild eines ansässigen Gartenbaubetriebs, dass nun die Zeit sei, um Obstgehölze zu pflanzen. War ich bisher auf “Obstspenden” angewiesen, um im Herbst Marmelade, Gelee und andere Köstlichkeiten herzustellen, dachte ich mir nun, ich könnte ja mein eigener Obstbauer werden. Kann ja nicht so schwer sein. Baum kaufen, Loch graben, Baum rein, ein Jahr warten, Obst ernten.

Da ich aber nicht irgendeinen Baum pflanzen wollte, und ich auch gerne verschiedene Obstsorten möchte, begab ich mich auf die Suche nach Informationen über Obstbäume. Und je mehr ich mich damit beschäftigte, desto klarer wurde mir, dass es mit der oben beschriebenen Vorgehensweise wahrscheinlich nicht funktioniert. Es gehört doch etwas mehr dazu. Da mich dies aber nicht davon abbringt, die Wiese einem sinnvolleren Nutzen als ihrem bloßen Dasein zuzuführen, möchte ich hier nach und nach von meinem “Projekt Streuobstwiese” berichten, in der Hoffnung, Nachahmer zu finden, Informationen bereit zu stellen und in Kontakt mit anderen Streuobstbauern zu kommen.

Beginnen möchte ich mit den Beweggründen und Nebenzielen. So ist es mir nicht nur wichtig, Obst ernten zu können. Vielmehr soll das Wiesenbrachland durch das Anlegen einer Streuobstwiese auch ökologisch aufgewertet werden. Denn Streuobstwiesen sind Lebensraum für eine Vielzahl unterschiedlicher Tiere, wohingegen Wiesenbrachland nach einigen Jahren nicht mehr zu den artenreichen Flächen gezählt wird. Dieses Nebenziel stellt sich in gewissem Grad also von ganz alleine ein. Ob und wie ich es noch unterstützen werde, wird sich später zeigen.

Im ersten Schritt werde ich nun die Fläche ausmessen, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie viele Bäume auf der Fläche gepflanzt werden können und wie diese sinnvoll anzuordnen sind. Denn zum einen bringt beispielsweise ein einzelner Apfelbaum nichts, wenn weit und breit kein anderer Baum verfügbar ist, der Pollen zur Bestäubung liefern kann. Denn viele Apfelbäume benötigen einen Pollenspender. Zum anderen ist es wichtig, dass die Bäume genug Platz haben, sich zu entwickeln. Anfänglich ist ein Baum ja recht klein und niedlich, mit den Jahren können sich aber stattliche Kronen ausbilden, sodass bereits bei der Pflanzung darauf Rücksicht genommen werden muss.

Mit Hilfe von TIM Online konnte ich ausmessen, dass das Grundstück eine Fläche von ca. 2700 m² hat. Laut Deutscher Grundkarte liegt es zwischen 385 und 402 m hoch. Nun muss ich mich vor Ort auf die Suche nach de Grenzsteinen begeben, um dann das Waldstück auf der Karte einzuzeichnen, damit ich dieses bei der Planung berücksichtigen kann.

Fortsetzung folgt…

Der heilige Gral der Energiebranche

Die Kernfusionsforschung ist seit Jahrzehnten der heilige Gral der Energiebranche. Mit dem “Sonnenfeuer auf Erden” soll das Energieproblem der Menschheit gelöst werden. Anfänglich verbreitete die Aussicht auf eine nahezu unerschöpfliche Energiequelle gehörige Euphorie. So avisierten die Forscher bereits in den Siebzigern, in 30 bis 40 Jahren mit Hilfe der Kernfusion den Energiebedarf der Menschheit zu decken. Doch nach Jahrzehnten der Forschung macht sich langsam Ernüchterung breit. Heute geht man davon aus, dass nicht vor 2050 mit nennenswerten Beiträgen zur Energieversorgung zu rechnen ist. Ein gewisses Maß an Skepsis scheint angebracht.

Vor dem Hintergrund der eingeleiteten Energiewende stellt sich darüber hinaus die Frage, ob es sinnvoll ist, Milliarden in eine Technologie zu investieren, deren Nutzen auf absehbare Zeit nicht erschlossen werden kann. Im Best Case ist die Kernfusion 2050 verfügbar. Das ist das Jahr, in dem Deutschland 80% seines Energiebedarfs mit Hilfe der erneuerbaren Energien decken will. Braucht man dann für die restlichen 20% noch die Kernfusion? Vor allem, wenn man den Anteil der erneuerbaren Energien noch weiter auf 100% steigern möchte? Und das ist nur der Idealfall. Schreibt man die Prognosen über die wirtschaftliche Nutzung der Kernfusion fort, so wird im Jahre 2050 die wirtschaftliche Nutzung ab 2090 prophezeit.

Das Geld, welches hier für scheinbar überflüssige Forschung ausgegeben wird, ließe sich sicherlich besser für die Energiewende einsetzen. Gegenwärtig geht das staatlich angefachte Gespenst der 5 Cent Einspeisevergütung um. Von vielen Seiten wird gegen die erneuerbaren Energien gehetzt. Dabei sind es doch gerade die Erneuerbaren, deren Subventionen als einzige öffentlich sind. Weder die Staatshilfen für die Atomenergie noch die Vergünstigungen der EEG-Umlage für Tierfutterhersteller ist öffentlich bekannt. Auch die Freistellungen von der Zahlung der Netzentgelte ist nicht zugänglich.

In dieser Debatte ist die Nachricht, dass die Zahlungen für den Kernfusionsreaktor ITER eingestellt werden, eine positive Neuigkeit. Regt sich dadurch doch die Hoffnung, dass zukünftig die Kernfusionsforschung nicht mehr mit der Vision verfolgt wird, damit die Energieprobleme der Menschheit zu lösen. Ob dies jedoch auch so eintritt, oder ob es sich hier nur um eine kleine Verschiebung der Forschungsaktivitäten handelt, bleibt abzuwarten.

Planwirtschaft

Seit die Bundesregierung im März letzten Jahres den Atomausstieg beschlossen hat, soll die Energiewende nun die zukünftige Energieversorgung sicherstellen. Gingen die großen Atomkonzerne bis zum Reaktorunglück in Fukushima noch davon aus, ihre Meiler länger laufen lassen zu dürfen, mussten sie nach der dreifachen Katastrophe in Japan sehr schnell von der Cash Cow Atomkraft abschied nehmen. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte ihnen das Erneuerbare Energiegesetz, welches bereits seit Anfang des Jahrtausends besteht, nichts anhaben. Doch plötzlich fehlte die Atomkraft, um defizitäre Bereiche auszugleichen oder überflüssige Kapazitäten zu finanzieren. Und es offenbarte sich noch ein weiteres Problem. Hatten sich in den vergangenen zehn Jahren Strukturen aus der Bürgergesellschaft gebildet, die die Energiewende vorantrieben, mussten die großen Player plötzlich aus dem Stand einen weiten Sprung machen, um nicht von der bisher ignorierten Dynamik überrollt zu werden.

Und dieser Sprung ist bis heute noch nicht geglückt. Wenn man aber selbst nicht vorwärts kommt, kann man wenigstens versuchen, dem Gegner Knüppel zwischen die Beine zu werfen, damit dieser wenn schon nicht zu Fall, dann doch wenigstens ins Straucheln gebracht wird. Diese Taktik wird mittlerweile auf breiter Fläche betrieben.

So sichern sich immer mehr Industriezweige das Privileg, sich aus der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe Energiewende davonzuschleichen und den eigenen Beitrag anderen aufzubürden. Oftmals wird dies unter dem Deckmäntelchen der internationalen Konkurrenz vollzogen. In den letzten Tagen sind jedoch Listen mit Unternehmen aufgetaucht, die von der EEG-Umlage befreit sind, deren Energieverbrauch aber keine Auswirkungen auf ihre Positionierung am internationalen Markt hat. Dies weckt nicht nur den Unmut der privaten Verbraucher, sondern auch verschiedene Branchen, wie beispielsweise die Textilbranche, wollen gegen diese Ungleichbehandlung vorgehen, schließlich müssen sie die Umlage der befreiten Unternehmen zusätzlich aufbringen.

Schaut man sich dieses Gemenge an, drängt sich schnell der Eindruck der Wettbewerbsverzerrung auf. Wenn Unternehmen gegen Ende des Jahres ihre Maschinen rund um die Uhr laufen lassen, um die Gesamtjahresmenge zu erreichen, die benötigt wird, um von der Umlage befreit zu werden, dann hat das nichts mit normalem Marktverhalten zu tun.

Umso erstaunlicher erscheint es dann, dass nicht die Ausnahmeregelungen als marktverzerrend angesehen werden, sondern von den einschlägigen Wirtschaftsverbänden wird das EEG als planwirtschaftliches Instrument beschimpft. Welch Chuzpe. Und so verwundert es auch nicht, dass der liberale Wirtschaftsminister seit Amtsantritt versucht, die Energiewende zu hintertreiben oder wenigsten den Profit der großen Unternehmen und deren Aktionäre zu sichern.

In diesem Zusammenhang an Dreistigkeit kaum zu überbieten ist jedoch eine Stellungnahme des Kreises Siegen-Wittgenstein. Ende des letzten Jahres hatte der Kreistag die Verwaltung beauftragt, zu prüfen, wie der Kreises 1 Mio. Euro so verwenden kann, dass damit die Energiewende vor Ort vorangetrieben wird. Nun hat die Verwaltung zu diesem Antrag eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sie unter anderem ausführt, dass eine Beteiligung des Kreises an z.B. einem Unternehmen oder einer Genossenschaft zur Energieerzeugung eine Wettbewerbsverzerrung sei. Wie kommt man dort zu der Meinung, dass eine Investition eine Wettbewerbsverzerrung sei? Vollkommen ad absurdum wird diese Aussage geführt, wenn man sich vergegenwärtigt, dass der Kreis Siegen-Wittgenstein Aktien des RWE-Konzerns im Gegenwert mehrerer Millionen Euro hält. Dies wurde bisher jedoch nicht als Wettbewerbsverzerrung dargestellt.

Festzustellen ist, dass hier nicht der Auftrag des Kreistags an die Verwaltung umgesetzt wird, sondern dass die Verwaltung selbst politisch agiert und versucht, Einfluss auf den politischen Prozess zu nehmen, der den Parteien vorbehalten ist. Leider dient dies in keinem Fall dem Ziel, die gesellschaftliche Mammutaufgabe Energiewende zu unterstützen.

Geheimnisse erzeugen Geheimnisse

Pure Transparenz wird niemals siegen. Eine Gesellschaft braucht Vertraulichkeit, um Vertrauen zu erzeugen.

Das ist die stark verkürzte These, die Till kürzlich formulierte. Er setzt damit einen Kontrapunkt zu der von Piraten oftmals recht plakativ Forderung nach mehr Transparenz. Seine Gedanken und Schlussfolgerungen sind durchdacht, schlüssig und nachvollziehbar, die These ist eingängig. Ich bin auch der Meinung, dass bestimmte Dinge sich in einer begrenzten Gruppe einfacher erledigen lassen.

Einfach ist aber nicht unbedingt besser. Beim Lesen des Posts stellte sich mir daher die Frage, ob die Argumente, die gegen die Öffentlichkeit in Sitzungen oder Besprechungen oder ähnlichem sprechen, nicht dadurch erst ihre Gültigkeit erhalten, dass die Sitzungen eben nicht öffentlich sind? Sind beispielsweise parteiinterne Gremien, in denen auch mal heftig um die Sache gestritten wird, nur deshalb für die Ausgeschlossenen so interessant, weil sie ausgeschlossen sind? Wären die Dinge auch dann noch interessant, wenn solche Streits immer und in jeder Partei öffentlich ausgetragen würden? Ich denke, hier würde eine Anpassung der Wahrnehmung erfolgen. Anfänglich besteht bestimmt ein großes Interesse daran, zu sehen, wie sich in Parteien die Leute an den Hals gehen. Aber wenn man es zwei, drei mal gesehen hat, kennt man es doch. Und dann ist wieder, wie vorher, wichtig, was das Ergebnis ist.

Meine These ist also, dass die Verschwiegenheit ein sich selbst verstärkendes System ist.

Vielmehr tendiere ich hier sogar ein wenig in Richtung der vollständigen Transparenz (von Staat und Verwaltung). Wenn solche, auch parteiinternen Sitzungen, grundsätzlich parteiübergreifend öffentlich wären, bestünde auf den ersten Blick keine Notwendigkeit, sich in diesen Sitzungen anders zu verhalten als man es in der nichtöffentlichen Variante täte. Problematisch für den Einzelnen werden öffentliche Absprachen immer dann, wenn sie nicht “sauber” sind. Vetternwirtschaft, Absprachen unter der Hand, Vorteilsnahme, Postengeschacher und ähnliches will man eben nicht mit seinem Namen öffentlich verbunden wissen. Ich kann daher der Forderung der Piratenpartei durchaus etwas abgewinnen.

Allerdings muss diese extreme Transparenz wiederum eingeschränkt werden. So müssen Absprachen gegenüber Partnern, die solche Transparenzregeln nicht befolgen, geschützt werden. Gerade in der Außen- und Sicherheitspolitik erfolgen Beratungen und werden Absprachen getroffen, die die Sicherheit von Menschen betreffen. Eine einseitige, ideologische Transparenz wäre hier klar kontraproduktiv. Jedoch stellt sich dann umgehend die Frage, wie man sicherstellt, dass in den nichtöffentlichen Sitzungen zur Außenpolitik keine Absprachen zu Bereichen getroffen werden, die üblicherweise öffentlich besprochen werden. Dies stärkt somit die These, dass Verschwiegenheit ein sich selbst verstärkendes System ist.